Sechs Tage tapfer sein, am siebten richtig zuschlagen – ohne schlechtes Gewissen. Cheat Days klingen verlockend. Ebenso der bekannte Rat, sich beim Abnehmen „ab und zu eine kleine Ausnahme“ zu gönnen. Doch was ist richtig: konsequent bleiben oder sich etwas gönnen?
Viele Menschen mit Übergewicht sind sehr diäterfahren. Sie kennen Kohlsuppe, Low Carb, Paleo und „Friss die Hälfte“. Und sie kennen unzählige gut gemeinte Ratschläge. Zwei davon sehen wir uns hier genauer an.
Die kleine Ausnahme
Wer gern nascht, kennt das: Am Anfang ist die Motivation groß, und jede Süßigkeit bleibt liegen. Nach ein paar Tagen wird der Wunsch nach Schokolade aber lauter. Heißt es nicht überall, man solle sich eine Ausnahme gönnen? Schon liegt der Schokoriegel auf dem Tisch.
Ein Gedankenspiel: Sie essen den Riegel. Ein kurzes, intensives Vergnügen. Die Kalorien sind dabei gar nicht das Hauptproblem. Das kommt danach: das schlechte Gewissen. Die Gedanken kreisen – „Ich wusste, dass ich es nicht durchhalte“, „Ich bin zu schwach“ – bis zum Satz: „Jetzt ist eh alles egal.“ Übrig bleiben eine leere Packung und ein weiterer abgebrochener Versuch.
Oder es läuft anders: Sie bleiben bei einem Riegel und machen weiter. Doch die Schokolade hat einen Fuß in der Tür. Am nächsten Tag werden es zwei, dann drei. Alte Gewohnheiten schleichen sich Schritt für Schritt zurück.
Was hinter Cheat Days steckt
Cheat Days versprechen das Gegenteil: einen Tag pro Woche, an dem alles erlaubt ist – ganz ohne Schuldgefühle. Befürworter argumentieren, die vielen Kohlenhydrate brächten einen durch strenge Diäten gebremsten Stoffwechsel wieder in Schwung. Auch von positiven Effekten auf die Motivation wird berichtet.
Cheat Days werden jedoch kontrovers diskutiert. Bei sehr strengen Diäten mit großem Kaloriendefizit mag ein solcher Tag eine gewisse Logik haben. Das eigentliche Problem liegt dann aber in der Diät selbst. Hungern ist aus unserer Sicht weder ein gesunder noch ein nachhaltiger Weg, Gewicht zu verlieren.
Das Alles-oder-nichts-Muster
Wer dem Prinzip folgt, isst mehrere Tage sehr wenig und schlägt dann einen Tag lang ungebremst zu. Mit einem entspannten, natürlichen Essverhalten hat dieser Wechsel zwischen Verzicht und Überfluss wenig zu tun. Wie soll man daraus lernen, sich langfristig ausgewogen zu ernähren?
Eine typische Folge ist das Überessen. Wer an einem Tag sehr große Mengen isst, fühlt sich danach oft schlecht. Und das ständige Auf und Ab zwischen Hungern und Völlerei ist für den Körper anstrengend.
Was stattdessen hilft
- Satt essen statt hungern. Wer sich mit den richtigen Lebensmitteln satt isst, braucht keinen Tag, an dem er etwas „nachholt“.
- Langfristig umstellen. Eine Ernährungsumstellung ist keine Diät auf Zeit. Sie lernen, sich dauerhaft ausgewogen zu ernähren – ohne danach in alte Muster zu fallen.
- Konsequent bleiben. Gerade in der ersten Zeit lohnt es sich, Ausnahmen bewusst abzulehnen. Das schützt vor Rückfällen und Schuldgefühlen.
- Einen Plan für Heißhunger haben. Ein Glas Wasser, ein kurzer Spaziergang, ein eiweißreicher Snack: Legen Sie vorher fest, was Sie tun, wenn das Verlangen kommt.
- Unterstützung holen. Wer begleitet wird, kann schwierige Momente besprechen, statt allein mit ihnen zu kämpfen.
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